Kampfmittelsondierung unter erschwerten Bedingungen

Das Thema Kampfmittel beschäftigt uns schon seit der Planung. Bereits im Sommer 2019 wurden bauvorbereitend erste Sondierung durchgeführt. Hierbei zeigte sich, dass weite Bereiche des Baufelds nicht freigemessen werden konnten, weil Leitungen und andere metallischen Gegenstände im Boden die Messungen behinderten. Aus diesem Grund haben wir eine baubegleitenden Kampfmittelsondierungen beauftragt. Das bedeutet, dass wir in der Regel bei jedem größeren Aushub einen kampfmittelkundigen Kollegen am Bagger stehen haben, der kontrolliert, ob sich eventuell eine Bombe oder andere Kampfmittel darin befinden. Dass dieser zusätzliche Aufwand richtig war, zeigen die insgesamt über 60 Stabbrandbomben, die bisher gefunden wurden. Diese besitzen zwar keine große Sprengwirkung, müssen aber natürlich von den Kollegen fachgerecht gesichert und entsorgt werden.

Kampfmitteluntersuchung
Diese britische Stabbrandbombe wurde bei den Bauarbeiten auf der Lichtwiese gefunden.

In den vergangenen Wochen kam noch ein neuer Aspekt hinzu: Im Lichtwiesenweg zwischen dem Überweg bei der Georg-Büchner-Schule und dem Überweg zum Hochschulstadion konnten wir baubegleitend keine Freimessung des Bodens durchführen. Die Sondierungsgeräte zeigten aufgrund der Bodenbeschaffenheit kein differenziertes Lagebild an. Bei genaueren Untersuchungen des Bodens stellte sich heraus, dass in diesen Bereichen großflächig metallhaltige Schlacke, also Rückstände aus Verbrennungsprozessen, vorhanden ist. Wahrscheinlich wurde die Lichtwiese vor langer Zeit als Halde für solche Abfallprodukte verwendet, dokumentiert ist es nicht und uns war es auch nicht bekannt. Wir benötigen in diesem Bauabschnitt aber eine Kampfmittelfreiheit von bis zu fünf Metern Tiefe, weil hier auch schwere Walzen zum Einsatz kommen und durch deren Vibration die Gefahr besteht, dass vorhandene Blindgänger detonieren können. Die einzige Lösung war jetzt den Boden an diesen Stellen auszubauen und diesen dann Aushub für Aushub nach Kampfmitteln zu untersuchen. Insgesamt wurden so in den vergangenen Tagen 1.500 Kubikmeter Erde bewegt. Zusätzlich kam hier ein spezieller sprenggeschützter Bagger zum Einsatz, der durch besondere Panzerplatten und Panzerglas abgesichert ist.

Mittlerweile sind die Arbeiten abgeschlossen und glücklicherweise wurden hier keine weiteren Kampfmittel gefunden. Damit können auch hier in den nächsten Wochen die Arbeiten für Fahrleitungsmaste fertig gestellt werden und dann anschließend der Gleisbau beginnen.

Kommentare

2 Kommentare zu “Kampfmittelsondierung unter erschwerten Bedingungen

  1. Über die Kampfmittel wurde ja auch im Blogeintrag zur Vergangenheit der Lichtwiese gesprochen. Es ist schade, dass solche Vorkehrungen wie hier überhaupt nötig sind. Ich finde es aber gut, dass sie dann auch vorgenommen werden.
    Was passiert/ist passiert mit der Schlacke, die gefunden wurde? Wird sie nun fachgerecht entsorgt, wie es ursprünglich der Fall hätte sein sollen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie einfach wieder reingekippt wurde. Einfach mal so 1500 m³ Erde zu ersetzen ist sicher auch nicht leicht.
    Auf jeden Fall sehr spannend, was auf der Baustelle so passiert. Ich bin sehr froh, dass es diesen Blog hier gibt. Er hat mir viele interessante Einblicke ermöglicht. Danke!

    1. Hallo,
      ja, Schlacke hört sich erst Mal ungeeignet an. Aber die Schlacke wurde fachmännisch seitens der geotechnischen Baubegleitung begutachtet. Es hat sich gezeigt, dass sich darin keinerlei Schadstoffe befinden, die eine Gefahr für Menschen, den Boden oder das Grundwasser darstellen. Aus diesem Grund kann das Erdmaterial nach gründlicher Kampfmittelsondierung größtenteils wieder verbaut werden. Wir haben bei den allgemeinen Bauarbeiten an anderer Stellen beispielsweise teerhaltige und asbesthaltige Materialien gefunden, diese wurden dann natürlich entsprechend den gesetzlichen Vorgaben fachgerecht gesichert und entsorgt.
      Viele Grüße
      Kevin Zdiara

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