Was ist eine Kompensationsanlage?

Straßenbahnen fahren mit Strom. Das ist allgemein bekannt und wird auch bei der neuen Anbindung des Campus Lichtwiese nicht anders sein. In Deutschland fahren Straßenbahnen in der Regel mit Gleichstrom im Gegensatz zur Eisenbahn, die hierzulande mit Wechselstrom betrieben wird. Das hat vor allem historische Gründe, ein vollständiger Umbau der Strominfrastruktur für die Straßenbahn in Darmstadt wäre sehr aufwendig, teuer und würde keine wesentlichen Vorteile bringen. Zudem müssen die innerstädtischen Oberleitungen nicht wie bei der Eisenbahn mit 15.000 Volt versorgt werden, sondern es reichen 600 Volt.

Eine Besonderheit auf dem Campus der TU ist, dass sich die Straßenbahn zwischen den Gebäuden des Fachbereichs Architektur und des Fachbereichs Bauingenieurwesen hindurchschlängelt. Insbesondere bei den Bauingenieuren kommen in der Forschung hypersensible Geräte zum Einsatz, die bereits auf kleinste Veränderungen reagieren können. Aus diesem Grund wurden bereits während der Planung intensive Gespräche mit der TU geführt und die Vorgaben der Fachbereiche entsprechend berücksichtigt.

Diese Vorgaben werden durch die jetzige Planung eingehalten. Zusätzlich wird im Trassenabschnitt von der Architektur bis zur Wendeschleife eine aktive Kompensationsanlage hergestellt, die das elektromagnetische Feld der Oberleitung noch zusätzlich reduziert. Die besondere Herausforderung bei dieser Kompensationsanlage ist, dass sie zentimetergenau verlegt werden muss und sich auch durch den Betrieb nicht in der Lage verändern darf. Das erfordert viel Erfahrung und Präzision beim Bau.

Die Kompensationsanlage beinhaltet ein Kompensationskabel, das unter der Gleisanlage, in der Mitte der Gleisachse in einem Leerrohr verlegt wird. Dieses Leerrohr wird auf einem Magerbetonstreifen mit Klemmen fixiert und einbetoniert, sodass es seine Lage nicht mehr verändern kann. Das Kompensationskabel wird dann jeweils am Fahrleitungsmast hochgeführt und dort wiederum an die Fahrleitung angebunden. Die erdseitige Anbindung an die Maste erfolgt über Kabelschachtrahmen, die um die Oberleitungsmaste herum gesetzt werden, und in die die Leerrohre eingeführt werden. Von den Kabelschächten aus werden die Kompensationskabel ohne Leerrohre am Mast hochgeführt.

Insgesamt werden so 10,5 Kilometer Kabel auf dem Campus Lichtwiese verlegt. In Deutschland gibt es nur wenige Straßenbahnprojekte, die eine vergleichbare komplexe Kompensationsanlage einsetzen. Aber durch dieses sehr aufwendige Verfahren wird sichergestellt, dass auch unter dem zukünftigen Straßenbahnbetrieb die Forschungen in den angrenzenden Instituten ungestört weitergehen können.

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