Vom Flugplatz zum Campus – Die luftige Vergangenheit der Lichtwiese

Täglich fahren viele Busse den Campus Lichtwiese an, auch die Odenwaldbahn hat eine Haltestelle dort. Ab Ende 2021 kommt mit der Lichtwiesenbahn noch eine Straßenbahnverbindung dazu. Aber bereits vor knapp hundert Jahren bestimmte ein weiteres Verkehrsmittel den Bereich zwischen Nieder-Ramstädter Straße und Darmbachaue: Das Flugzeug.

Was heute unmöglich erscheint, war von 1924 bis 1934 Realität. Am 13. Juli 1924 wurde in Anwesenheit des hessischen Staatspräsidenten Carl Ulrich der Flugplatz Lichtwiese mit einem Flugtag eingeweiht. Genutzt wurde er vom “Bund Hessischer Flieger”, da deren bisheriger Flugplatz in Griesheim nach dem ersten Weltkrieg im französischen Besatzungsgebiet lag. Ruhig ging es schon damals nicht zu auf der Lichtwiese. Denn genutzt wurde der Flugplatz Lichtwiese nicht nur für den Flugsport, sondern auch, wie heute, für den Linienverkehr: Von dem etwa 500 Meter langen Rollfeld starteten ab 1926 auch Maschinen der neu gegründeten Luft Hansa A.G. auf einer Flugstrecke, die über Mannheim nach München führte. Betrieben wurde der Flugplatz von der “Hessischen Flugbetriebs A.G. Darmstadt”,. Neben dem Rollfeld verfügte der Flugplatz auch über einen Tower, eine Flughalle mit Reparaturwerkstatt sowie eine Tankanlage. Zudem konnte man auf dem Flugplatz verschiedene Sachen testen, zum Beispiel die Nutzung von thermischen Aufwinden für den Segelflug. 1928 war der Flugplatz Lichtwiese Ausgangspunkt für Flüge nach Paris, Prag, London oder Budapest.

Der Flugplatz Lichtwiese im Jahr 1927. © Stadtarchiv Darmstadt

Zehn Jahre nach seiner Eröffnung wurden der Flugplatz Lichtwiese im Frühjahr 1934 geschlossen und der Darmstädter Flugbetrieb auf den mittlerweile wieder zugänglichen Flugplatz nach Griesheim verlegt. Durch leistungsstärkere Flugzeuge war für die Lufthansa auch kein Zwischenstopp in Darmstadt mehr nötig. Während des zweiten Weltkriegs wurde das Gelände für Flakgeschütze genutzt. Deswegen muss die gesamte Baumaßnahme für die Lichtwiesenbahn auch durchgehend von Kampfmittelsondierern begleitet werden. Alleine während der laufenden Bauarbeiten wurden mehr als 50 Stabbrandbomben gefunden und gesichert.

In der Nachkriegszeit haben dann  vor allem Modellflieger den Bereich genutzt, bevor ab Mitte der 1960er Jahre der Campus der Technischen Universität entstand.

Weitergehende Informationen zum Flugplatz Lichtwiese und zum Flugverkehr und -Sport in Darmstadt bietet die Seite Luftfahrtgeschichte Darmstadt von Ursula Eckstein, die auch ein Buch zum Thema verfasst hat sowie die Internetseiten der Hessen-Flieger, sowie des Fachgebiets Strömungslehre und Aerodynamik des Fachbereichs Maschinenbau der TU Darmstadt, die auch Recherchegrundlage für diesen Artikel waren.

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